Die Bewohner der „Schwelle“ genannten Region (ehemalige Küstenlinie der Nord- und Ostsee und jetzt die Grenze zur Wattstaubwüste) bezeichnen sich selbst als Hullker (Hulker, Hallker). Sie bewohnen kleine, feste Ansiedlungen. Hulker sind Fremden gegenüber misstrauisch und häufig abergläubisch. Ihre Toorps (Dörfer) und Gehöfte (Bezeichnung für alle Gebäudeansammlungen unter der Größe eines Toorp) bestehen meist aus den Resten alter Container, die zusätzlich mit Palisaden aus Schrott und Holzresten gegen die Kreaturen der Ebene versehen sind. Ein Toorp überschreitet selten fünfzehn ansässige Familien.
Die Hullker leben der Hanse gegenüber in einer Art Leibeigenschaft. Die Gesetze der jeweiligen Hansefamilie sind im Hansetum für die Hullker verbindlich und Verstöße können empfindliche Strafen nach sich ziehen. Es ist ihnen nicht erlaubt Land zu besitzen. Viele bewirtschaften als Pächter karge Felder und/oder betreiben Viehzucht, sammeln im Klingenschilf Knollen oder wühlen auf eigene Faust im Staub der Wüste nach Artefakten der Altvorderen die sie illegal verkaufen, bzw. für lächerliche Preise an die Hanse veräußern. Vereinzelt wird Jagd auf die absonderliche Fauna der Wattstaubwüste gemacht, auch wenn man sich für diese Unternehmungen nie so weit von der Küstenlinie entfernen würde, das man sie nicht mehr sehen könnte. Andere arbeiten direkt für die Hanse auf Salzfeldern, in Sammelgebieten und Werkstätten oder bieten sich für Hungerlohn als Schauerleute oder Treittler an. Die Privilegierteren sind auf den Borregs der Hanse als Bedienstete und Knechte angestellt oder betreiben gepachtete Geschäfte (Kneipen, Läden, Bordelle usw.) in den kleinen Siedlungen des Nordens. Einige Hulker verdienen ihren Lebensunterhalt als Landsegler oder Büttel der Hansemiliz. Nicht selten verlassen die Jüngeren ihre angestammten Toorps, um sich ihren Lebensunterhalt im Süden zu erwirtschaften. Viele enden als Freie Söldner, Banditen oder billige Handelsware der GüV.
Gelegentlich begehren einige Hulker gegen die Hanse auf. Allerdings sitzt der Glaube an die „Rechtmäßige Ordnung der Welt“ bei den meisten Hullkern so tief, das diese kurzen, von Vandalismus bis zu bewaffnetem Aufstand reichenden, Episoden nie einen Umbruch auslösen. Echte Aufstände werden schnell und blutig niedergeschlagen, und Äußerungen gegen die Obrigkeit im Allgemeinen schwer geahndet.
Um sich in den Randbereichen der Wattstaubwüste zu bewegen nutzen die Hulker Segelwagen. Diese sind die effizienteste Möglichkeit sich fortzubewegen und werden oft auch von Schmugglern eingesetzt, die an der Hanse und am Handelskammerhaus Cold Fever vorbei mit der Armee von Juno regen Handel treiben. Leider taugen die Segler aufgrund ihrer Fragilität und dem Mangel an stetem Wind nicht zur innerländischen Nutzung.
Weite Strecken werden in der Wattstaubwüste von den Hulkern mit Segelwagen (Baggi, Staubrenner, Lastensegler) bewältigt. Es handelt sich dabei um leichte dreirädrige Gefährte die mit Segeln angetrieben werden und auf den Strandseglern des 21. Jahrhunderts basieren. Sie können auf den ausgedehnten, fast erhebungslosen Flächen der Wattstaubwüste erstaunliche Geschwindigkeiten erreichen. Für Fahrten innerhalb der Weiten Lande sind sie aufgrund ihrer Fragilität allerdings nicht geeignet. Segelwagen werden meist von einzelnen Personen gefahren und hauptsächlich für den Waren- und Personentransport innerhalb der Hanse an der ehemaligen Küstenlinie entlang genutzt. Die Fahrzeugführer bezeichnen sich selber als Landsegler. Oft verwenden sie Begriffe aus der Nautik, so das es zahlreiche „Steuermänner“, „Maate“ und „Kapitäne“ gibt. Sie sind wichtig für den Handel , angesehen und haben in aller Regel ein höheres Einkommen als der durchschnittliche Hulker. Dennoch entscheiden sich einige Landsegler dafür ihren Lebensunterhalt mit Schmuggel aufzubessern.
Die Wattläufer verwenden normalerweise keine Segelwagen, aber diejenigen Kopfjägerstämme die es tun (hauptsächlich die „Doggerläufer“) nutzen eine eigene Variante, die „Spinne“ genannt wird. Diese flachen Einmannsegelwagen sind fünfrädrig und werden nur mit einem Kitesegel durch die Wüste bewegt. Kitesegel wurden inzwischen von einigen, wenigen Landseglern übernommen, da es ermöglicht auch Wind in größerer Höhe zu nutzen und so Flauten und Walzen zu durchsegeln.
Typen
An einem durchschnittlichen Segelwagen (Baggi, Staubrenner, Schlupp) ist genug Platz um neben dem Fahrzeugführer eine (1) Person oder zwei Mittlere Wareneinheiten mitzuführen ohne die Funktionsweise des Gefährt gefährlich zu beeinträchtigen.
Als Lastensegler werden alle Segelwagen bezeichnet die darauf ausgelegt sind mehr Waren oder Personen mitzuführen. Sie sind weniger wendig, aber nicht unbedingt langsamer als die üblichen Staubrenner.
Tandem (Kemmel) können bequem von zwei Personen gefahren werden und ein zusätzliche Person oder zwei Mittlere Wareneinheiten mitführen. Allein gefahren können bis zu vier Mittlere Wareneinheiten transportiert werden. Schlepper (Muli) sind für den Warentransport ausgelegt. Sie sind breiter und können voll beladen bis zu sechs Mittlere Wareneinheiten mitführen. Aufgrund ihrer Trägheit sind sie hauptsächlich für den Einsatz auf bekannten Routen und bei einigermaßen stabilen Wind-. Und Wetterverhältnissen tauglich.
Rutsche (Sleeden, Tumor) Um mehr Waren transportieren zu können besteht immer die Möglichkeit Schlitten oder kleinere Karren an Segelwagen anzuhängen, die zwischen zwei und vier weitere Mittlere Wareneinheiten fassen können. Je nach Gewicht (und Gewicht des Segelwagens) kann so eine „Rutsche“ zu erheblichen Beeinträchtigungen von Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit führen.
Manche Landsegler schließen sich zusammen, um mehr Waren transportieren zu können und sich gegenseitig in der lebensfeindlichen Umgebung der Wattstaubwüste Schutz zu bieten. Diese Zusammenschlüsse, die selten aus mehr als drei bis vier Segelwagen bestehen, nennt man „Geschwader“. Es gibt nur wenige davon, da fast alle Landsegler ihre persönliche Freiheit und Autonomie schätzen. Geschwader sind bei allen Hansefamilien gefragt. Lässt sich eins in einem Hansetum nieder, werden die Geschwaderpiloten in aller Regel mit zahlreichen Privilegien versehen.
Spezialisiertere Geschwader transportieren häufig dringende und/oder brisante Nachrichten bzw. zeitkritische und/oder wertvolle Waren. Einige machen gezielt Jagd auf Piraten und Schmuggler, um die „geretteten“ Waren für einen „Finderlohn“ an die Hanse zurückzugeben (oder selber unter der Hand weiterzuveräußern). Andere patroullieren die Schwelle und versuchen Raubtiere, Piraten und Banditen oder Kriegertrupps der Kopfjäger vom Hansegebiet fernzuhalten. Sie arbeiten gelegentlich mit den Zöllnern der Hansemiliz zusammen, agieren aber in aller Regel autonom.
Archetyp Geschwaderpilot
Landsegler die in Geschwadern unterwegs sind stellen die schillernderen Figuren im Norden der Giftstaub-Welt dar. Als eine Mischung aus Freibeuter, Kampfpilot und Glücksritter werden sie von der normalen Bevölkerung bewundert. Die bekannteren Geschwader sind im gesamten Hansegebiet bekannt und Quell zahlloser Geschichten und Legenden. Fast alles Geschwaderpiloten sind Hulker und stammen von der Schwelle. Dementsprechend ist ihre Meinung zu Politik und Gesellschaft häufig recht einseitig. Was nicht verwundert, da sie mit am meisten vom bestehenden System profitieren. Die Ausrüstung der Geschwader ist in aller Regel hochwertiger (und die Bekleidung extravaganter) als beim durschnittlichen Hullker.
Das Leben aller Hulker ist hart, egal ob sie als Bedienstete in den Borregs der Hanse arbeiten, auf deren Feldern und Salzflächen schuften oder ihren Lebenunterhalt als Tagelöhner bestreiten. Eine der härtesten und gefährlichsten Arbeiten ist aber das der sogenannten Treittler. Wenn große Warenmengen zwischen den Territorien der Hanse bewegt werden müssen greift man auf Lastenschlitten zurück, die von Menschen gezogen werden. Oxzenkarren eignen sich nicht für die Wattstaubwüste und Lastensegler sind nur bis zu einer bestimmten Warenlast effektiv (und kostspielig). Die Lastenschlitten der Treittler sind dagegen billig und immer verfügbar. Ein „Treittlergespann“ besteht aus zehn bis fünfzehn Mann, die für einen Schlitten zuständig sind. Treittler-Karawanen bestehen aus vier bis maximal zehn Treittlergespannen.
Auf den langen, mühseligen Wegen entlang der Schwelle sind die Treittler sämtlichen Gefahren der Wattstaubwüste ausgesetzt und ständig von Überfällen durch Kopfjäger oder Piraten bedroht. Die Treittler haften für die Fracht und Karawanenschutz wird selten gestellt. Die Arbeit ist mörderisch anstrengend und die Lebenserwartung nicht hoch. Denoch finden sich immer wieder Hulker die verzweifelt genug sind die entstehenden Lücken aufzufüllen. Die Treittler stehen für einige als Sinnbild der Ungerechtigkeit im Gebiet der Hanse, für andere als die ultimative Zurschaustellung von Versagen. „Wer gar nix wird und gar nix kann, fängts Saufen und das Treitteln an!“
Es gibt Hulker die auf eigene Faust von Toorp zu Toorp ziehen, um mit Waren zu handeln. Sie führen ihre Waren meist in sperrigen Rucksäcken und knarrenden Handwagen mit sich (von denen sich auch ihr Spitzname ableitet). Einige von ihnen betreiben ihre Geschäfte über die Grenzen der einzelnen Hansetümer hinaus. Von der Hanse werden sie als „Fahrendes Volk“ verunglimpft und als Betrüger, Diebe und Schmarotzer diffamiert. Die meisten Knarzer sind trotzdem (oder vielleicht auch genbau deswegen)stolz darauf ein vergleichsweise unabhängiges Leben zu führen. Und der Großteil der Hulker schätzt sie als Quelle für Waren und Geschichten aus anderen Toorps (oder sogar anderen Hansetümern).
Der wesentliche Anteil an Reichtum der Hansehäuser wird durch regionalen und überregionalen Handel erwirtschaftet. Dementsprechend viele Leute werden bei der Arbeit in den zahlreichen Warenlagern der Hanse und beim Be- und Entladen von Karawanen, Lastenseglern und Treittlerschlitten benötigt. Diese Helfer, die nur kurz Zeitspannen eingesetzt werden, nennt man im Norden „Schauerleute“. Sie stehen etwas über den Treittlern, gelten aber trotzdem nicht gerade als gesellschaftlich erfolgreich.
Als „Piraten“ werden von der Hanse sämtliche Hulker bezeichnet, die sich an ihr „bereichern“. Damit sind in erster Linie Überfälle auf Karawanen, Landsegler, Ansiedlungen oder Lager der Hanse gemeint. Im weiteren Sinne rechnet das Handelskammerhaus aber auch Hehlerei, Schmuggel aus dem Hanseterritorium und die unautorisierte Einfuhr von Rauschmitteln und Waffen zu den „für Piraten typischen“ Verbrechen. Tatsächlich ist es so, das Landsegler die sich auf das Überfallen von Treittlerzügen, Hanselagern oder dem Aufbringen beflaggter Segelwagen spezialisieren selber als Freibeuter bezeichnen. Die meisten sind kleine Verbände die ähnlich ihren Gegenspielern, den Geschwadern, koordiniert zusammen arbeiten. Seltener kommen tollkühne Einzelindividuen vor, doch diese bilden die Ausnahme. Freibeuter haben meist kleinere Verstecke in unzugänglichen Gegenden an der Schwelle, die nur die notwendigsten Annehmlichkeiten bieten können. Sie führen ein hartes, als romantisch verklärtes Leben und sind ständig durch die Zöllner, Geschwader und nicht zuletzt die vielfältigen Gefahren der Wattstaubwüste bedroht. Bei Freibeutern handelt es sich häufig um verzweifelte und/oder sozial nicht (mehr) integrierbare Individuen mit einem starken Selbsterhaltungstrieb der sich hauptsächlich in Egoismus und Rücksichtslosigkeit äußert.
Grundsätzlich handelt es sich bei „echten“ Piraten (die sich auch so nennen) um Freibeuter, zumindest was ihren Lebensunterhalt betrifft. Der entscheidende Punkt ist, das ausschließlich Landsegler die für Rostfels fahren als Piraten bezeichnet werden. Ein kleiner, feiner Unterschied der allerdings nur Freibeutern und den Leuten von Rostfels geläufig sein dürfte. Freibeuter werden dort in allererster Linie (wie die meisten Schmuggler) als Gäste betrachtet. Piraten gehören zur ansässigen Bevölkerung. Somit stellt Rostfels das Herzstück der Piraterie entlang der gesamten Schwelle dar. Würde die Hanse realisieren in welchem Umfang die Festung für die Überfälle auf ihre Liegenschaften verantwortlich ist würde sie wahrscheinlich ihre Bemühungen den Stützpunkte zu neutralisieren um ein Vielfaches erhöhen! Im Gegensatz zu den beschriebenen Freibeutern sind Piraten in einem grotesken Abhängigkeitsverhältnis an die Felsenfestung gebunden. Wer einmal für Rostfels gefahren ist hat keine Option mehr seinen Lebensunterhalt anders zu verdienen.
Auch wenn die Hanse da nicht wirklich differenziert, unterscheiden die Leute aus dem Norden tatsächlich zwischen Freibeuternund Banditen. Letztere benutzen eher selten Segelwagen und machen vor allem den innlandseitigen Teil der Hanse unsicher. Hauptunterschied ist allerdings dass die meisten Banditen keine Hulker sind, sondern aus den Weiten Landen stammen. Im Gegensatz zu Freibeutern, die durchaus auch mal im heimatlichen Toorp vor der Hansemiliz versteckt werden, sind Banditen ganz klar außerhalb der Gesellschaft der Hulker angesiedelt. Dementsprechend rücksichtslos gehen diese Räuber auch gegen die ansässige Bevölkerung vor, während Freibeuter die Hanse und deren „Reichtümer“ als Ziel bevorzugen. Banditen werden von den Hullkern verallgemeinernd als „Horde“ bezeichnet.
Jenseits der Schwelle lebt das Volk der Fräsen. Sie siedeln an und in den Ruinen der gewaltigen Offshore-Windkraftanlagen die sich die gesamte, ehemalige Küstenlinie entlangziehen. Von der Schwelle nur bei klarem Wetter (also so gut wie nie) in der Ferne sichtbar befinden sich diese von den Hulkern „Windtürme der Altvorderen“ genannten Bautenrest.e Von den Wattläufern werden die riesigen Betonturmruinen gemieden. In ihrer Kultur sind sie Überbleibsel der Altvorderen, die damit „den Wind gestohlen haben“ und deshalb von den Göttern bestraft wurden. Einer der Gründe die es dem Volk der sogenannten Fräsen möglich macht die Ruinen zu besiedeln, ohne beständig den Angriffen von Kopfjägern ausgesetzt zu sein. Obwohl es sich im Grunde genommen um Hulker handelt, werden sie von den Bewohnern der Schwelle als eigenständiges Volk betrachtet. Die Fräsen unterscheiden sich von diesen in ihrer traditionellen Bekleidung und ihrem Dialekt, und leben ausserhalb des Einflußgebietes der Hanse. Für sie gelten innerhalb der Hansetümer zahlreiche Sondergesetze. Dabei handelt es sich vor allem um Beschränkungen wie z.B. Handels-, Besitz-, und Ausschankverbote. Der Aufenthalt im Hansegebiet ist für Fräsen nur mit gültiger Arbeitsgenehmigung und nur zum Arbeiten zulässig, und ihnen steht keinerlei Rechtsbeistand zu. Denoch gibt es immer wieder Fräsen die als billige Arbeitskräfte für die Hulker und die Hanse schuften, um sich Gegenstände zu verdienen, die sie selber er nicht fertigen können. Bei den Hulkern gelten die Fräsen als dumm und primitiv und stehen noch unter den Wattläufern.
Die Hansemiliz stellt die einzige militärische Sicherheitsstruktur Macht im Norden da. Es handelt sich um mehrere hundert Männer und Frauen die vergleichsweise übersichtlich organisiert sind:
Die Ränge bis zum Hauptbüttel sind ausschließlich interne Bezeichnungen. Für die Arbeit in den Hansetümern gilt jeder Büttel als gleichberechtigt. Untereinander ist es zwar üblich einem Kleinbüttel mit Rat und Tat zur Seite zu stehen; seine Entscheidungen sind aber nicht durch „höherrangige“ Kollegen in Frage zu stellen. Oberbüttel sind dementsprechend nur dann weisungsberechtigt oder als Truppführer zu verstehen wenn „Gefahr im Verzug“ ist. (Also eine Situation wie ein Überfall oder dergleichen, bei dem zeitnah Milizionäre koordiniert zusammenarbeiten müssen.) Für die Hulker sind alle Milizionäre Büttel. Eine Unterscheidung zwischen Klein- Hanse- und Oberbüttel findet nicht statt.
Milizionäre sind dafür ausgebildet eigenständig agieren zu können. Sie müssen in der Lage sein schnelle Entscheidungen zu treffen und gegebenenfalls über Leben und Tod zu entscheiden. Auf ihnen lastet enorme Verantwortung, da sie unter anderem auch für die Rechtssprechung zuständig sind. Sie sind Beschützer und Ansprechpartner für die ansässige Bevölkerung, sorgen aber auch für Recht und Ordnung. Die Milizionäre stellen die Polizeigewalt in den Hansetümern. Sie sind berechtigt Leute zu verhören, festzunehmen und bei sogenannten Bagatellvergehen (Beleidigung, Raufhändel ohne Tote, Trunkenheit in der Öffentlichkeit, Diebstahl, Vandalsimus usw.) auch direkt zu verwarnen oder zu bestrafen. Da allerdings jede Hansefamilie unterschiedliche Gesetze und Regeln in ihrem jeweiligen Territorium haben und durchsetzen darf, fällt der Ermessensbereich der Büttel je nach Hansetum sehr unterschiedlich aus. So kann in einem Hansegebiet durchaus strafbar sein innerhalb von Räumlichkeiten Mütze zu tragen, aber erlaubt offen Waffen zu führen, während eine halbe Tagesreise entfernt beides erlaubt ist. Und es im nächsten Hansetum dazu gar keine Regeln gibt. Die meisten Gesetze betreffen allerdings das Zoll- und Abgabenrecht. Milizionäre verbringen meist viel Zeit damit Karrenladungen und Lager zu kontrollieren!
Der durchschnittliche Milizionär entspricht in seinem Auftreten und Aufgabengebiet einer Mischung aus Sheriff und Dorfbulle, einer tüchtigen Portion Mountie und einer Prise Ex-Marine im Ruhestand. Er hat ein weitläufiges Gebiet zu betreuen zu dem häufig mehrere Gehöfte und/oder ein Toorp zählt. Er kennt die Leute die dort leben und ihre persönlichen Eigenheiten und Probleme. Und sie kennen ihn. Gilt ein Milizionär als „fair“ oder „in Ordung“ wird er von den Ansässigen gerne liebevoll und leicht spöttisch „unser Hudel“ genannt. Hat er den Ruf eines Schleifers und Paragraphenreiters oder ist jemand der seine Macht mißbraucht, ist er wohl eher „dieser verdammte Hudel“. Zu anderen Milizionären im Hansetum hat er selten Kontakt, außer man trifft sich mal alle paar Wochen bei einem Stammtisch oder einer „Dienstbesprechnung“. Beides wird gerne genutzt sich über die Lage im Hansetum auszutauschen, akute Probleme zu besprechen oder einfach nur ein bißchen zu klönen. Milizionäre sind gewohnt wichtige Entscheidungen alleine zu treffen, aber gelegentlich holt man sich bei dieser Gelegenheit auch mal Rat von Kollegen ein. Milizionäre verbleiben normalerweise nicht länger als fünf Jahre in einem Hansetum, bevor sie versetzt werden. Das soll allzu persönlichen Verbindungen vorbeugen, davor schützen angreifbar zu werden (z.B. für Erpressungen und Bestechungen), Autonomie stärken und letztlich Routinen durchbrechen die sich bei einer dauerhaften Stationierung einschleichen könnten.
Die gesamte Hansemiliz ist dem Boargermaster (speziell Hammerburg) unterstellt und loyal. Nichtsdestotrotz sind die Büttel ständigen Bestechungsversuchen durch die Hansefamilien ausgesetzt (da diese der Miliz gegenüber nicht direkt weisungsberechtigt sind); Korruption ist ein legitimes Verwaltungsmittel innerhalb der Hanse. Eine gewisse „Flexibilität“ ist in der Büttelschaft deshalb durchaus üblich und geduldet. Üblicherweise sind in jedem Hansetum, je nach Größe, ein bis maximal zwei Dutzend Kleinbüttel, Büttel und/oder Oberbüttel stationiert. (Dazu kommen in aller Regel 1 – 2 Trupps Zöllner die allerdings autark agieren.) Hansefamilien dürfen in Hammerburg sowohl militärische Hilfe durch Zöllner anfordern (z.B. gegen marodierende Wattläufer, Banditen oder Kreaturen, bei Aufständen usw.) als auch zusätzliche polizeiliche Mittel beantragen (also mehr und/oder spezialisierte Milizionäre z.B. bei konkreten Verbrechen, erhöhtem Verwaltungsaufkommen usw).
Schutzmänner
Milizionäre dürfen zur Unterstützung Privatpersonen den zeitlich begrenzten Rang „Schutzmann“ geben. Diesem wird ein Milizabzeichen gestellt. Solange er das trägt besitzt er theoretisch die gleichen Befugnisse wie ein regulärer Büttel. Schutzmänner werden in der Praxis hauptsächlich eingesetzt, um kurzfristig Unterstützung bei schwierigen Verhaftungen, Massenschlägereien usw. zu haben oder bei großen Events wie einem Pickenpackenspiel die Reihen der Miliz zu verstärken. Sie sind nicht gerade beliebt und gelten im harmlosesten Fall als Petzen und Wichtigtuer. Dazu kommt das man als Schutzmänner bevorzugt „Leute fürs Grobe“, also gewaltbereitere Individuen rekrutiert. Letztlich alles Gründe die ihnen unter den Hulkern unfeine Bezeichnungen wie „Knüppeloxzen“ oder „Hansegreifer“ eingebracht haben.
Das unberechtigte Tragen eines Milizabzeichens oder das Überschreiten der eigenen Befugnisse wenn ein Schutzmann nicht im Dienst ist (also kein Abzeichen trägt) wird als Hochverrat gewertet und mit öffentlichem Ausweiden in Hammerburg geahndet. Das mag drakonisch wirken, garantiert aber das das Vertrauensverhältnis zwischen Miliz und Hullkern nicht durch Möchtegernbüttel und Wichtigtuer geschädigt wird.
Ausbildung
Die Ausbildung von Milizionären findet ausschließlich in Hammerburg statt. Sie dauert minimal drei Monaten und im längsten Fall ein Jahr. Wer nach Ansicht der Ausbilder nach einem Jahr immer noch nicht als Milizionär taugt, muss Hammerburg verlassen und wird zeitlebens für die Aufnahme bei der Miliz gesperrt. Viele Anwärter scheiden allerdings vorher aus. Die Ausbildung ist fordernd und erinnert an die der Mounties im 19. und 20. Jahrhundert. Neben körperlichen und kämpferischen Aufgaben stehen Loyalität, Eigenständigkeit und moralische Integrität im Fokus. Um das zu gewährleisten werden Rekruten einem enormen physischen und psychischen Druck ausgesetzt und zusätzlich in zahlreichen, unterschiedlichen Bereichen geschult. Theoretisch hat ein Milizionär, wenn er Hammerburg verlässt ein breites Spektrum an Wissen und Befähigungen wie Grundlagen von Biologie (z.B. die Flora und Fauna der Wattstaubwüste betreffend), Geographie, Recht und Technik, aber auch Nah- und Fernkampf, Überlebenstechniken, Verhörmethoden und Forensik. Dazu kommen diverse Lehrgänge zu Sozialkunde, Deeskalation usw. Natürlich hat jeder Milizionär im Endeffekt persönliche Stärken und Schwächen, weswegen die Führung stehts bemüht ist jeden möglichst effizient einzusetzen. Allerdings verstehen sich alle nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung als Teil von etwas Besonderem. Die Miliz ist wichtiger als Familie und der Dienst für die Bevölkerung steht immer an Erster Stelle! Weisungen aus Hammerburg werden nicht in Frage gestellt und in aller Regel auch nicht die Position der Hanse.
Die Hansemiliz besteht nicht nur aus Hullkern sondern auch aus Glücksrittern, ehemaligen Söldnern und anderen arbeitslosen Schlagetots aus allen Ecken der Weiten Lande.
Die Zöllner
Die für militärische Sicherheitsaufgaben eingesetzten Milizionäre haben den (theoretisch) temporären Rang „Zöllner“. Sie agieren teilweise innerhalb der Wattstaubwüste, wenn auch nie außer Sichtweite der Schwelle, um das Gebiet vor Banditen, Kopfjägern und Piraten zu schützen. Sie machen gezielt Jagd auf Schmuggler und sind für die Kontrolle möglicher krimineller Elemente zuständig. Eine weitere Aufgabe ist der „Sichernde Einsatz im Aufstandsfall“. Es handelt sich dabei um die etwas milde Umschreibung für das gewaltsame Niederschlagen von vermeintlichen, wie auch tatsächlichen Aufständen. Zöllner werden, ähnlich den regulären Milizionären, auf die Hansetümer verteilt. Sie agieren allerdings meistens als geschlossene Einheit und haben sehr viel weniger direkten Kontakt zu den Ansässigen. Deshalb werden Zöllner normalerweise auch nicht einzeln, sondern nur als Truppe versetzt. Truppführer der „Zöllner“ (entspricht etwa dem Rang eines Oberbüttels) werden „Alte“ genannt. Als „Zöllner“ werden Milizionäre berufen die entweder a) als dafür besonders qualifiziert angesehen werden b) sich freiwillig dafür melden oder c) möglicherweise eher für den Dienst… weniger nah an der Bevölkerung geeignet scheinen. Auch wenn Versetzung zurück von den „Zöllnern“ problemlos möglich ist, verbleiben viele in ihren Einheiten und kehren nicht in den regulären Job zurück. Der Ruf der Zöllner ist bei den Hulkern eher negativ. Sie mögen ja die Hauptlast beim Schutz gegen Banditen, Piraten und allem was da aus der Wattstaubwüste kommt, tragen, aber es sind auch genau diejenigen die einen Verdächtigen an die Wand stellen, eine Massenschlägerei beim Pickenpacken mit Knüppeln und Feuerwaffen auflösen oder eine Hütte von angeblichen Piratenunterstützern niederbrennen. Grundsätzlich sind sie gemeint, wenn ein Hulker gegen „Die Miliz“ wettert.
Die Bewohner der Schwelle sind ein eigenbrötlerisches Volk. Ihr Handeln wird zu großen Teilen von der Hanse bestimmt ,deren Anweisungen und Regeln man folgt „weil das schon immer so ist, und man da ja auch nix gegen machen kann“. Im Kanon der Geschichte war der Norden angeblich eine barbarische, zerüttete Gegend voller verstreut lebender Bewohner, die den Wattläufern, Banditen und gefährlichen Kreaturen hilflos ausgeliefert waren. Erst als die Hansefamilien in das Gebiet kommen tritt Stabilität ein. Borregs werden gebaut, um die Gefahren abzuwehren und Aufgaben verteilt, um die Versorgung der Bevölkerung zu garantieren. Und deshalb ist es eben auch legitim das die Hanse weiterhin das Sagen hat. Obwohl in diesem quasi-feudalen Leben gefangen sind Hullker freiheitsliebend, und sei es hauprtsächlich in Liedern und Reden. Die Hulker führen ein anstrengendes und teilweise auch entbehrungsreiches Leben. Schuld an den Dingen die das Leben schwer machen sind allerdings häufig die anderen. Zum Beispiel „die da oben“, womit die Hanse gemeint ist, und deren „feinen Speichellecker“ (also Hulker die als Angestellte und Bedienstete in den Borregs arbeiten). Natürlich die „Schnösel“ (Hulker die Kneipen, Produktionsstätten oder Gehöfte bewirtschaften), die Treittler und Versehrte, weil die allen auf der Tasche liegen, die Fräsen (mit ihrer seltsamen Sprache, den komischen Klamotten und der fremden Mentalität) und die Wattläufer, die ja entweder die Siedlungen und Karawanen überfallen oder als arbeitsscheue Alkoholiker in den Toorps rumhängen. Was die Hansemiliz angeht ist die Einstellung der Hulker ziemlich ambivalent. Auf der einen Seite sind sie ausführendes Organ der Hanse und somit als „Arm des Gesetzes“ nicht unbedingt beliebt, auf der anderen Seite schützen sie unleugbar die Siedlungen und riskieren dabei ihr Leben, klären Verbrechen auf und sorgen im Großen und Ganzen für Ordnung. Für die Angestellten der Hanse sind Bauern und Handwerker in erster Linie Leute die nicht loyal, kompetent oder zivilisiert genug sind, um in den Borregs zu arbeiten. Für die Kneiper, Handwerker und Gehöftler sind alle anderen „Schlafschaben“ die direkt oder indirekt nur für den Reichtum der Hanse schuften; ob als Dienstmagd, Koch, Schilfernter oder Sammler. Landsegler (egal ob Lastensegler oder Geschwader) sind in aller Regel etwas milder, vielleicht weil sie mehr von der Welt sehen…
Wie bei allen Spielkonzepten ist uns eine individuelle Darstellung von Persönlichkeiten wichtig. Nicht jeder Hulker vertritt diese Sichtweisen!